Auf Wiedersehen, Floh

 In Soulstice, Uncategorized, Was wirklich zählt

Das Neue Jahr fängt tragisch an. Gewissheit erhielten wir am 2. Januar, als mein geliebter Kater Floh immer noch nicht nach Hause kam und unser Nachbar uns die schreckliche, Gewissheit bringende Nachricht überbrachte: Floh war am Tag zuvor vom Zug erfasst worden.

In dem Moment zerbrach etwas in mir und auch jetzt noch weine ich ständig. Zwischendurch geht es mir ganz okay, doch der Schmerz kommt immer wieder hoch. Das letzte Mal, dass ich so sehr trauerte, war bei Gabrieles Tod. Ich hätte nicht gedacht, dass der Schmerz über Flohs Weggang so tief geht und so lange so stark ist. Naja, was heißt lange? Heute ist gerade mal der vierte Tag ohne Floh…

Und natürlich weiß ich, dass er nicht weg ist. Ich weiß, dass er um mich ist und vielleicht kann er mir von dort, wo er jetzt ist, noch besser behilflich sein.

Gestern Morgen stand ich im Bad, als mich die Traurigkeit wieder übermannte. Ich sah in den Spiegel und dachte: Floh, für was standst Du? Was war Dein Geschenk an mich, an uns? Für was bist Du gekommen?

Und ich verband mich mit seiner Essenz. Ich fühlte, dass er da war und ich dachte an all das, was ihn ausmachte. Dann machte ich eine neue Dose Gesichtscreme auf und strich das, was an der Abdeckung haftete, an meiner Wange ab. Und seht, welche Botschaft ich erhielt:

Engel begegnen Dir überall und in jeglicher Gestalt.

Floh wurde als Kätzchen von einer Tierschützerin von einem Bauern vor dem Ersäufen gerettet. Dieses Trauma konnte ich in den gut drei Jahren, die er bei uns war, immer wieder spüren. Und trotzdem: Floh war von allen drei Katern derjenige, der die größte Lebenslust ausstrahlte.

Er war immer unterwegs. Oft sogar, wenn es draußen regnete. Er kam im Sommer fast nur zum Fressen ins Haus, um dann sogleich wieder hinauszugehen und Mäusen, Vögeln, Fliegen oder einfach nur umherfliegenden Blättern nachzujagen.

Floh spielte immer. Und er forderte auch die anderen zwei immer wieder zum Spielen auf. Trotzdem stand er oft etwas abseits, weil die anderen zwei Kater mehr wie ein Herz und eine Seele sind und er mir manchmal wie das fünfte Rad am Wagen vorkam. Doch sie waren auch immer wieder zu dritt als Gang unterwegs.

Er streckte sich gern. Besonders, wenn es ums Futter ging. Er war der einzige, der sich, wenn ich das Futter zubereitete, mit seinen weißen Pfötchen bis hoch zur Kante des Küchentresens reckte und mir erwartungsvoll in die Augen schaute. Er konnte sich wie ein Hund verhalten: kam mir mit erhobenem und wedelndem Schwanz entgegen und tänzelte vor dem Platz seines Futternapfes immer im Kreis, bis das Futter endlich vor ihm stand.

Er war sooo süß. Und unglaublich flauschig. Sein erstes Spielzeug war eine Haselnuss und wenn ich mich konzentriere, höre ich immer noch den Klang der Nuss, die er über die Fliesen im Flur und dann die Treppe runter stupste.

Mein Herz trauert. Ich vermisse ihn so sehr.

Heute Morgen habe ich mich gefragt, was Floh jetzt wohl machen würde und habe mich erst einmal richtig gestreckt. Das tat gut und ich dachte: Das werde ich jetzt jeden Morgen tun. So, wie früher als Kind.

Überhaupt werde ich mehr in meinem Leben ändern und mich mehr an Floh orientieren. An seiner Spielfreude zum Beispiel. So viel, wie in den letzten Tagen haben wir schon lange nicht mehr gespielt. Wir hatten Besuch von unserem Neffen und haben gewürfelt und Karten gespielt. Das war toll und viel schöner, als nur vor dem Fernseher zu hocken.

Heute wollte ich mich gleich nach dem Frühstück an meinen Computer setzen und diesen Text hier schreiben. Doch Floh hat sich nach dem Essen nie hingelegt oder ist drin geblieben. Er wollte möglichst sofort wieder hinaus. Deshalb sagte ich mir: Nein, nicht an den Computer. Denn wenn ich daran sitze, stehe ich so schnell nicht wieder auf.

Also erstmal meinem Körper etwas Frischluft gönnen. Das Wetter war herrlich und mein Mann und ich drehten erstmal eine große Runde übers Feld. Toll. Das tat richtig gut.

Danke, Floh.

Danke, dass Du mir Dein Vertrauen geschenkt hast.

Danke, dass Du uns ausgesucht und uns zu Garfield und Minosh geführt hast. Ohne Dich wären die beiden jetzt nicht bei uns.

Danke für die vielen Schmuse-, Schnurr- und Streichelstunden.

Danke für Deine Neugier.

Danke für Deine Verspieltheit.

Danke für Deine Lebenslust.

Danke für Deine Lebensfreude.

Du hast das Leben wirklich in vollen Zügen genossen. Zu 100 Prozent. Du hast jeden Moment voll ausgekostet. Wenn Du Futter wolltest, dann gab es keinen Weg daran vorbei. Wenn Du schmusen wolltest, dann ganz und gar. Wenn Du schlafen wolltest, dann möglichst ungestört. Wenn Du gespielt hast, dann warst Du mit Leib und Seele dabei. Selbst, wenn es „nur“ ein trockenes Blatt eines Baumes war, das durch den Wind umher getrieben wurde. Und wahrscheinlich bist Du auch so unter den Zug geraten. Voll mit dem beschäftigt, was gerade dran war.

Das nenne ich Leben im Jetzt-Moment.

Ich danke Dir, Floh, für Deinen Lebensmut, Dein DaSein und Dein Immer-100-Prozent-Geben und -Leben.

Ich liebe Dich.

Deine Sabine

 

 

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Showing 10 comments
  • Antworten

    ♡☼♡☼♡☼♡☼♡☼♡☼♡☼♡☼♡☼♡

    • Sabine
      Antworten

      ❤❤❤

      • Antworten

        liebe sabine,

        ich habe 5 tiere verloren, ich weis wie es dir geht. aber er ist bei dir und wird immer bei dir sein. floh ist ein wunderschöner kerl, und ihm geht es gut.
        ich habe jetzt eine katze und einen yorki, nach 5 jahren, wo die daysi gestorben war.
        ich kann mit dir fühlen. floh ist bei dir.
        lg
        sylvia

        • Sabine
          Antworten

          Liebe Sylvia,
          ich danke Dir! Wir haben auch immer wieder von Tieren/Katzen Abschied genommen, aber bei keinem war es für mich so herzzerreißend, wie bei Floh. 😪
          Ich muss immer wieder an ihn denken und seine zwei Kumpels sind auch nicht wie sonst…
          Liebe Grüße
          Sabine

  • Gaby "Mary-Ann" Gehlbach
    Antworten

    💚Ich fühle mit Dir, nehme Dich in den Arm und weine mit Dir💚

    • Sabine
      Antworten

      Liebe Gaby,
      ich hoffe, Du musst nicht mehr weinen…
      Danke für Dein Mitgefühl! 😘
      Liebe Grüße
      Sabine

  • Hilke
    Antworten

    Oh Sabine, auch ich fühle mit dir.
    Als mein Charly starb, war gerad die neue CD “Mensch” von Hebbet Gröni raus, ich spielte sie oft, da konnte ich so schön weinen bei.
    Deine Fotos sind ganz wunderschön, ich habe grad tränen in den Augen.
    Ja: das Leben ist einSpiel, könnten Katzen sagen.
    <3 <3 <3

    • Sabine
      Antworten

      Liebe Hilke,
      oh ja…wie gut, dass ich das Lied nicht gehört habe in den letzten Tagen 😉 Ist auch so schon schmerzhaft genug.
      Heute habe ich wieder begonnen zu arbeiten und das tut jetzt nochmal so gut. Auch, wenn zwischendurch immer noch die ein oder andere Träne hochkommt.
      Liebe Grüße
      Sabine

  • Andrea-Rhea
    Antworten

    Traurig.
    Danke für Dein Teilen.
    Er war wunderschön…

    • Sabine
      Antworten

      Liebe Andrea,
      ja, das war er. Unser Haus fühlt sich nun ganz komisch leer und “langsam” an.
      Danke für Deine Anteilnahme.
      Liebe Grüße
      Sabine

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